Besucherzähler:
Handyakku
|
Was tun bei Herbstdepressionen bzw. Winterdepressionen?
Es gibt Themen, die kann man immer wieder ansprechen. Bei bestimmten Themen sollte man das sogar.
So auch bei diesem Thema jahreszeitlich bedingter "Depressionen". Den Begriff "Depressionen" habe ich bewusst in Anführungszeichen gesetzt, da es sich hierbei nicht unbedingt um klinisch relevante psychische Erkrankung handeln muss. (Hinweise zu Symptomen depressiver Störungen bzw. Diagnosekriterien für konkrete psychische Störungen depressiver Natur finden Sie hier.)
Im Herbst und Winter neigen viele Menschen zu einer depressiven Verstimmung. Dies hat zum einen etwas mit einem direkten Effekt des Tageslichts auf den menschlichen Hormonhaushalt zu tun. Bei Dunkelheit wird von der Zirbeldrüse im Gehirn vermehrt das Hormon Melatonin ausgeschüttet, welches den Schlaf fördert. Melatonin wird dabei aus dem Hormon und Transmitter Serotonin produziert, welches damit abgebaut wird. Serotonin wiederum wirkt aktivierend und stimmungsaufhellend.
Zum anderen führen kürzere Sonnenscheindauer und eine Verschlechterung des Wetters dazu, dass viele angenehme Aktivitäten des Sommers eingestellt werden. Dies wiederum führt dazu, dass sich die Wahrscheinlichkeit angenehmer Erlebnisse deutlich verringert.
|
|
Dazu kurz etwas zur Theorie der Entstehung von Depressionen: Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Depression geht davon aus, dass
- situative Bedingungen und Auslöser (Verlusterlebnisse: Partner, Familienangehörige, Arbeitsplatz bzw. allgemein kritische Lebensereignisse insbesondere im Bereich sozialer Beziehungen)
- vermittelt über förderliche Bedingungen in der Person (Kognitionen = realitätsfremde, verzerrte, negative Bewertungen der eigenen Person und der Situation; soziales Verhalten = Verhaltensdefizite, geringe Bewältigungsstrategien; Aktivitätsrate = Mangel an verhaltensbezogenen Verstärkern, potentiell verstärkenden Ereignissen und Aktivitäten)
zu Depression führen.
Bei einer klinisch relevanten Depression ist es ein Teufelskreis: Ein Mangel von als angenehm erlebten Ereignissen führt zu einer depressiven Verstimmung, was wiederum dazu führt, dass die Motivation für weitere Aktivitäten fehlt. Stetiges Jammern bewirkt dann zunächst bei anderen ein Bedürfnis zu helfen. Die Helfenden merken allerdings über kurz oder lang, dass dieses Helfen nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Sie ziehen sich zurück und der Depressive verliert weitere soziale Unterstützung.
Sollte letzteres bei Ihnen der Fall sein, so wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Ihren Hausarzt, der Sie zu einem Psychotherapeuten überweisen kann. Wenn der Therapeut über eine Kassenzulassung verfügt, dann wird eine solche Therapie auch von der Krankenkasse getragen (ist bei kognitiver Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und tiefenpsychologischer Therapie meist der Fall).
Wenn es gerade jetzt im Herbst oder später im Winter viele trifft, die unter "Depressionen" leiden, so hat das sehr viel damit zu tun, dass in diesem Zeitraum die Aktivitäten der meisten Menschen witterungsbedingt sehr stark eingeschränkt sind. Dies wiederum bewirkt, dass auch Anzahl möglicher glücklich machender Ereignisse zurückgeht.
Wichtig ist es daher, sich gerade jetzt zu Aktivitäten zu "zwingen". Allein Bewegung hilft bereits.
Und es müssen keine Aktivitäten sein, die viel Geld kosten.
Hier einige konkrete Vorschläge, die entweder nichts oder nur wenig kosten:
- Spazieren gehen... auch wenn das Wetter gerade besch...eiden ist. Umso mehr freut man sich anschließend, wenn man wieder in der gemütlich-warmen Stube sitzen kann,
- Lesen... auf den Wühltischen in bestimmten Läden gibt es Bücher bereits ab 1.99 Euronen,
- zu Hause Musik hören... und mal dazu abtanzen.
- ...
Und lassen Sie sich bitte nicht das Leben von Leuten vermiesen, die bei dem einen oder anderen Vorschlag die Nase rümpfen! 
Weitere Vorschläge gibt es hier:
Liste angenehmer Aktivitäten und Ereignisse
Schauen Sie sich einfach mal diese Aktivitäten an und überlegen sich, was Sie schon lange nicht mehr gemacht habt, was auch jetzt trotz des schlechten Wetters möglich wäre und was Ihnen als etwas Angenehmes erscheint.
Ideal sind übrigens solche Aktivitäten, bei denen man tatsächlich AKTIV ist!
Wer selbst nicht betroffen ist, der sollte auch mal auf die Menschen in seiner Umgebung achten... ggf. ist es sinnvoll, dort mal den einen oder anderen zur Teilnahme an sozialen oder sonstigen Aktivitäten zu motivieren 
Gedankenstop ist eine weitere Intervention aus der kognitiven Verhaltenstherapie, die dann eingesetzt wird, wenn grüblerische Gedanken im Vordergrund stehen.
...
Die hier gegebenen Empfehlungen sind auch wichtige Aspekte des Selbstmanagements. Zu diesem Themenbereich biete ich auch Beratung, Seminare und Coachings an:
Dr. Falk Richter - Beratung, Seminare, Coachings im Bereich Wirtschaftspsychologie
Hiermit können Sie diesen Beitrag in soziale Netzwerke eintragen:
|
|
|